Nachtrag zum 13.06.2023
Meine gestrige Prignitz-Runde, als Servicetechniker in Umspannwerken, fürhrte mich nach getaner Arbeit verirrterweise durch das Örtchen Gottberg. Angeblich sollte man dort frische Heumilch zapfen können, aber sei’s drum. Am Ende der Ortschaft pfiff mein Navi nach unzähligen Neuberechnungsversuchen aus allen Lüftungslöchern, so wendete ich um zurückzufahren.
In diesem sonst sehr gepflegten sehr ruhigen Ort mit englischen Rasenflächen am Straßenrand, hervorragend instandgehaltenen Backsteinhäusern, geschnittenen Bäumen und Büschen, machte ich einen Gegenstand mitten auf der Fahrbahn vor mir aus, etwas spät, sodass ich darüber fuhr, aber so steuerte, dass die Räder des Mondeos ihn nicht erfassten; dann hielt ich an und schaute nach, ob sich meine Vermutung bestätigte.
Dort, mitten auf dem Asphalt, hockte ein Spätzchen und wollte sich nicht groß bewegen. Es saß nur da und atmete mit offenem Schnabel, erschrak auch nicht, als ihn dieses 2800-fach schwerere Wesen es mit seinen klobigen federlosen Händen besorgt auflas. Ich trug es in den Schatten und versuchte es kurz darauf mit Wasser zu versorgen, aber es zeigte kein Interesse. So wie sein Schnabel das Wasser berührte, mischte sich sofort frisches Blut dazu.
Ich hielt meinen kleinen Freund noch eine Weile in der Hand, wollte ihn nicht alleine lassen in seinen vermutlich nahenden letzten Momenten, dann summte ich ihm Melodien. Schließlich zeigte er sich etwas ernergischer und ich beschloss ihn im Schatten auf einer Mauer abzusetzen, mit in mir aufkeimender Hoffnung, dass er sich schließlich noch erholen könne, wenn er dem Stress durch die Anwesenheit meiner Gestalt nicht weiter ausgeliefert ist.
Wenig später erkundigte ich mich nach seinem Zustand, da atmete das Spätzchen nicht mehr.